17. Mai, Sonntag Rogate

Der Sonntag Rogate ermutigt zum Gebet. Vielen Erwachsenen fällt das Beten schwer. Andere erleben es als befreiend, ihr Herz auszuschütten oder in der Stille Gott zu suchen. Vielfältige Formen des Betens finden sich schon in der Bibel: das stürmische und unnachgiebige Gebet, das Gott drängt wie einen Freund, die Bitte um Vergebung, das stellvertretende Einstehen für Andere und der Dank.
Jesus verspricht: Wer in seinem Namen bittet, stößt bei Gott nicht auf taube Ohren. Und er lehrt seine Jünger das Gebet, das alle anderen Gebete umfasst: das Vaterunser. Es müssen nicht viele Worte sein. Dieses ist genug. Es führt zum Hören auf Gott. Nicht unser, sondern Gottes Wille soll geschehen.

Predigttext: Matthäus 5, 1-14 Vom Beten

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.
Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.
Darum sollt ihr so beten:
Unser Vater im Himmel!
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.
Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Gottesdienst mit unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden in der Evangeliumskirche

 

Gebet für den 5. Sonntag nach Ostern Rogate

Vater unser.
Du bist unser Vater, dir verdanken wir unser Leben. Dir sagen wir, worauf wir hoffen, wonach wir uns sehen, wovor wir uns fürchten.

Geheiligt werde dein Name.
Wir hoffen darauf, dass deine Liebe die Welt verwandelt. Verwandle uns, damit wir deine Liebe zeigen.

Dein Reich komme.
Wir sehnen uns danach, dass sich Gerechtigkeit und Frieden küssen. Schaffe deinem Frieden Raum, damit die Sanftmütigen das Erdreich besitzen.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Wir fürchten uns davor, dass Leid und Krankheit kein Ende haben. Heile die Kranken und behüte die Leidenden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.
Nicht nur uns, auch denen, die verzweifelt nach Hilfe rufen, die vor den Trümmern ihres Lebens stehen und die sich vor der Zukunft fürchten. Du bist die Quelle des Lebens, verbanne den Hunger.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Öffne unsere harten Herzen für die Vergebung. Öffne die Fäuste der Gewalttäter für die Sanftmut. Lenke unsere Füße auf den Weg des Friedens. Versöhne uns und alle Welt.

Führe uns nicht in Versuchung.
Dein Wort ist das Leben. Du kannst unsere Herzen verschließen vor Neid, Gier und Hochmut. Halte uns ab von Hass und Gewalttätigkeit. Bewahre uns vor den falschen Wegen!

Erlöse uns von dem Bösen
Öffne unsere Augen, damit wir das Böse hinter seinen Verkleidungen erkennen. Lass uns dem Bösen widerstehen und befreie alle, die in der Gewalt des Bösen gefangen sind.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Du rufst uns beim Namen. Du siehst uns - wo wir auch sind, am Küchentisch, in der Kirchenbank, in unseren Kammern. Bei dir schweigen Angst und Schmerz. Auf dich hoffen wir heute und alle Tage. In Jesu Namen vertrauen wir uns dir an.

Amen.

Bildandacht zum Lesen

Wochenlied Evangelisches Gesangbuch Nummer 344

Text: Martin Luther

Vater unser im Himmelreich,

der du uns alle heißest gleich

Brüder sein und dich rufen an

und willst das Beten von uns han:

gib, dass nicht bet allein der Mund,

hilf, dass es geh von Herzensgrund.

2

Geheiligt werd der Name dein,

dein Wort bei uns hilf halten rein,

dass wir auch leben heiliglich,

nach deinem Namen würdiglich.

Behüt uns, Herr, vor falscher Lehr,

das arm verführet Volk bekehr.

3

Es komm dein Reich zu dieser Zeit

und dort hernach in Ewigkeit.

Der Heilig Geist uns wohne bei

mit seinen Gaben mancherlei;

des Satans Zorn und groß Gewalt

zerbrich, vor ihm dein Kirch erhalt.

4

Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich

auf Erden wie im Himmelreich.

Gib uns Geduld in Leidenszeit,

gehorsam sein in Lieb und Leid;

wehr und steu’r allem Fleisch und Blut,

das wider deinen Willen tut.

5

Gib uns heut unser täglich Brot

und was man b’darf zur Leibesnot;

behüt uns, Herr, vor Unfried, Streit,

vor Seuchen und vor teurer Zeit,

dass wir in gutem Frieden stehn,

der Sorg und Geizens müßig gehn.

6

All unsre Schuld vergib uns, Herr,

dass sie uns nicht betrübe mehr,

wie wir auch unsern Schuldigern

ihr Schuld und Fehl vergeben gern.

Zu dienen mach uns all bereit

in rechter Lieb und Einigkeit.

7

Führ uns, Herr, in Versuchung nicht,

wenn uns der böse Geist anficht;

zur linken und zur rechten Hand

hilf uns tun starken Widerstand

im Glauben fest und wohlgerüst’

und durch des Heilgen Geistes Trost.

8

Von allem Übel uns erlös;

es sind die Zeit und Tage bös.

Erlös uns vom ewigen Tod

und tröst uns in der letzten Not.

Bescher uns auch ein seligs End,

nimm unsre Seel in deine Händ.

9

Amen, das ist: es werde wahr.

Stärk unsern Glauben immerdar,

auf dass wir ja nicht zweifeln dran,

was wir hiermit gebeten han

auf dein Wort in dem Namen dein.

So sprechen wir das Amen fein.

Choralmelodie aus Valentin Schumanns Gesangbuch von 1539: